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PAPST FRANZISKUS

FRÜHMESSE IM VATIKANISCHEN GÄSTEHAUS "DOMUS SANCTAE MARTHAE"

 

Der Tag der Kinder

 Freitag, 14. November 2014

 

aus: L'Osservatore Romano, Wochenausgabe in deutscher Sprache, Nr. 49, 5. Dezember 2014

 

Ein kleiner römischer Jugendtag. Oder besser: ein Kindertag mit einer äußerst lebhaften Katechismusstunde Auge in Auge mit dem eigenen Bischof. Genau diese Erfahrung konnte eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen aus der Pfarrei »Santa Maria Madre della Provvidenza« machen, die im Stadtviertel des Gianicolo-Hügels liegt: Sie nahmen am Freitag, 14. November, an der Frühmesse teil, die der Papst in der Kapelle des Hauses Santa Marta feierte. Und um den Kindern unserer Zeit »den Glauben weiterzugeben«, so bekräftigte Franziskus, seien Menschen vonnöten, die mit gutem Beispiel vorangingen »und nicht mit Worten«.

Ihre Anwesenheit bei der Messe blieb nicht unbemerkt. »Wenn ich auf diese Seite sehe, dann kommt es mir vor wie der Weltjugendtag!«, kommentierte der Papst zu Beginn seiner Predigt und gestand, dass er den Eindruck habe, als feiere er in einer Pfarre eine »Jugendmesse«. Und »es ist schön, auf die Kinder zu schauen«, bekräftigte er, denn das heiße »in die Zukunft zu blicken, eine Verheißung anzuschauen, die Welt erblicken, wie sie sein wird«.

Aber – und das war die erste Frage, die Franziskus an die Erwachsenen, die Erzieher, richtete: »Was hinterlassen wir den Kindern? Welches Beispiel geben wir?« Mit Verweis auf die zuvor erfolgte Lesung aus dem zweiten Johannesbrief (1,3-9) fragte er weiter: »Lehren wir vor allem das, was wir in der ersten Lesung gehört haben: in Wahrheit und Liebe zu leben? Oder lehren wir das mit Worten, während unser Leben in eine andere Richtung geht?« Aus diesem Grund war es dem Papst wichtig, zu betonen, dass »wir dazu verpflichtet sind, den Blick auf die Kinder zu richten«. In der Tat »muss sich der Christ um die Jugendlichen, um die Kinder kümmern und ihnen den Glauben weitergeben, das weitergeben, was er lebt, was in seinem Herzen ist: wir dürfen die kleinen Pflänzchen, die heranwachsen, nicht ignorieren.«

Gerade deshalb »wird es uns heute gut tun, darüber nachzudenken, wie ich mit den Kindern, den Jugendlichen, den jungen Menschen umgehe «. Und er regte an, eine Gewissensprüfung vorzunehmen: »Wie verhalte ich mich? Wie ein Bruder, wie ein Vater, eine Mutter, eine Schwester, die ihr Wachstum fördern, oder halte ich Abstand «, indem ich sage: »Sie werden größer, und ich führe mein eigenes Leben…?« »Es ist wichtig«, unser diesbezügliches Verhalten gut zu kennen. Tatsächlich »haben wir alle die Verantwortung«, so erläuterte der Papst, »unser Bestes zu geben. Und das Beste, was wir haben, ist der Glaube: ihn zu vermitteln, aber durch das Beispiel, das wir geben. Es mit Worten zu tun nützt nichts. Heutzutage nützen die Worte nichts.

In dieser Welt der Bilder haben sie alle ein Handy, und die Worte bringen nichts. Was wirklich zählt ist das Vorbild.« Die entscheidende Frage, die man im Hinblick auf die Erziehung der Allerjüngsten an sich selbst stellen müsse, laute also: »Was gebe ich ihnen?« An diesem Punkt wandte sich Franziskus, indem er zu den Bänken hinüberschaute, wo man die Kinder aus dieser römischen Gemeinde hatte Platz nehmen lassen, direkt an sie und fing einen Dialog mit Fragen und Antworten an: »Und weshalb seid ihr zur Messe hergekommen? Weißt du es? Wer hat den Mut, es zu sagen? Warum seid ihr zur Messe gekommen? Geniert ihr euch, zu sprechen? Warum? Aber sie trauen sich ja nicht!« Und nachdem er den Pfarrer begrüßt hatte, forderte er die Kinder erneut dazu auf, laut die Frage über den Grund ihrer Anwesenheit bei dieser Messe zu beantworten. »Um dich zu sehen!«, sagte ein Junge, der den Gedanken seiner Freunde Ausdruck verlieh. »Um mich zu sehen! Danke, vielen Dank!«, antwortete der Papst und fügte sogleich hinzu: »Das gefällt mir! Ich freue mich auch, euch zu sehen! Und das, was du gesagt hast, ist wichtig: um jemanden zu sehen, der der Bischof deiner Stadt ist, der der Papst ist, den wir im Fernsehen sehen, den wir aber auch aus der Nähe sehen möchten.« Das, so führte er aus, sei der eigentliche Sinn der Antwort »um dich zu sehen«, die der Junge gegeben hatte. Allerdings, so riet er ihnen, »ist es auch wichtig, dass ihr euch angewöhnt, die Erwachsenen zu sehen, die Menschen, die euch ein gutes Beispiel geben.« Also, so präzisierte er, »sie zu Hause zu sehen, sie in der Familie zu sehen, den Pfarrer zu sehen, die Priester, die Ordensfrauen: sehen, wie sie sind und wie sie ihr Leben führen, das christliche Leben.«

Dann griff Franziskus wieder den direkten Dialog mit den Kindern auf: »Habt ihr alle die erste heilige Kommunion empfangen? Ja? Alle? Und die Firmung? Ist niemand von euch gefirmt?« Während er die Antworten jedes einzelnen anhörte, bemerkte der Papst: »Du hast sie noch nicht empfangen? Und ihr auch nicht? Wer sonst hat die Erstkommunion noch nicht empfangen? Du? Und ist schon jemand gefirmt?« Unter den Anwesenden waren auch einige Jugendliche, die bereits in der kommenden Woche das Sakrament der Firmung erhalten werden: »Jetzt, bald. Sehr gut!«, so ermutigte sie Franziskus.

Im Übrigen, so sagte er zu seinen jungen Gesprächspartnern, »ist das ein Weg, es ist der Weg des christlichen Lebens, der beginnt.« Und er fragte weiter: »Mit welchem Sakrament beginnt das christliche Leben?« Die Antwort der Kinder erfolgte sofort: »Mit der Taufe!« Und der Papst: »Gut! Mit der Taufe öffnet sich die Tür zum christlichen Leben, und dann kommt das, was der heilige Johannes hier« in der ersten Lesung »gesagt hat: In der Wahrheit und in der Liebe leben.« Das, so erläuterte Franziskus, »ist das christliche Leben: die Wahrheit glauben und lieben, Gott lieben und die anderen Menschen lieben.« Dann, so sagte er ihnen, »kommt auf diesem Weg die Erstkommunion, die Firmung, die Ehe…« Es handle sich also »um einen langen Weg, der das ganze Leben dauert«, und »es ist wichtig, dass man ihn zu leben weiß, ihn zu leben weiß wie Jesus«.

Aber die Fragen des Papstes an die Kinder waren noch nicht zu Ende: »Bei diesen Sakramenten – das frage ich euch – ist das Gebet ein Sakrament? Nein, das Gebet ist kein Sakrament, aber wir sollen beten.« Indem er dieses lebhafte Gespräch mit den Kindern und Jugendlichen fortsetzte, sagte Franziskus weiter, dass es wichtig sei, »zum Herrn zu beten, zu Jesus zu beten, zur Gottesmutter zu beten, damit sie uns auf diesem Weg der Wahrheit und der Liebe helfen.« Und den Faden seines Gesprächs mit dem Kind wieder aufnehmend, das ihm zu Beginn anvertraut hatte, nach Santa Marta gekommen zu sein, um den Papst zu sehen, sagte er: »Ihr seid hergekommen, um mich zu sehen, wer hatte das gesagt? Du! Es ist wahr, aber ihr seid auch gekommen, um Jesus zu sehen, einverstanden?

Oder lassen wir Jesus beiseite?« Und er fügte hinzu: »Jetzt kommt Jesus auf den Altar, und wir alle werden ihn sehen: es ist Jesus!« Und »in jenem Augenblick müssen wir Jesus bitten, dass er uns lehrt, auf dem Weg der Wahrheit und der Liebe zu gehen: sagen wir es zusammen? In der Wahrheit und in der Liebe leben.« Der Papst wollte, dass »nur die Kinder und Jugendlichen« mehrmals und mit immer lauterer Stimme diese Worte wiederholten. Dann fragte er sie im Scherz, weshalb sie so gezaudert hätten, zu sprechen: vielleicht, so sagte er, weil sie angesichts der frühen Stunde noch nicht »ganz wach« gewesen wären. Schließlich bat Franziskus, wiederum zusammen mit den Kindern, »Jesus darum, uns diese Gnade zu schenken: den Weg der Wahrheit und der Liebe zu gehen«.

 



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